Cimarron libris
Bitte keine Solidarität

Aphorismen und satirische Geschichten
ca. 190 Seiten


Die guten Gedanken gleich konservieren,
und das Glücksgefühl auf Eis legen -
umso dauerhafter erscheint uns
das Leben.

Woher meine Väter die Kraft nahmen,
sich in der Armut glücklich zu fühlen?

Der Kosmopolit will frei und beweglich bleiben,
das schreibt er auf seine Fahne;
auch wenn in unserer Zeit
die digitale Freiheit des Netzes ihm mit
Siebenmeilenstiefeln davonläuft.

Sie vermieten ihre Wohnungen zu überhöhten Preisn.
Sie kümmern sich grundsätzlich nicht um das
nachbarschaftliche Wohlergehen der Mieter.
Sie unterlassen Modernisierungen,
und ihr vages Verhältnis zu den Mietern,
die ihnen pünktlich ihre Rendite zahlen,
übersieht, daß die andern
eigentlich ihre besten Geschäftspartner sind.
Vor lauter GewinnmaximierungsTräumen
begreifen sie nicht,
daß die Wohnung eine wichtige Sache ist
auf dem Weg zum menschlichen Glück -
und für jeden von uns ein
wesentlicher Teil seines Lebens.
Ein Jammer,
daß unser menschliches Wohlsein nicht einmal
in der Stille der eigenen Wohnung Ruhe findet!

Wäre unsere Vernunft nicht mit einem Hauch
von Einsicht gesegnet,
wie könnten wir all das Desaster
unseres Lebens ertragen!

Reduzieren wir in unserer Vorstellung auch
die politische Prominenz auf das,
was ihre Aufgabe ist, und nehmen ihr
den Medienschein - schauspielern können
die wirklichen Stars überzeugender.

Eine Zeitlang sollte jeder gute Mann
in die Haut eines Bösewichts schlüpfen -
das erleichtert die Wahrnehmung
der subjektiven Interessen.

Verzweifelter Notruf vom Planeten Erde
an die endlos fernen Mächte im All:
Erbitten Hilfe bei der Bewältigung von Problemen,
die sich durch die radikale Umverteilung
des privaten Reichtums ergeben haben.

Ach ist mir warm geworden ums Herz,
als ich sie wiedersah!
Nur der Verstand blieb kühl und reserviert -
ein Elend unserer Sinne oder der Vernunft?

Es gibt keine kleinen Leute,
die ein kleines Leben führen,
und große Leute, die ein großes Leben führen.
Was es gibt,
ist eine sinnvolle Anteilnahme am Leben,
die nicht nach dem materiellen Reichtum fragt.
Sie bezieht sich auf die innere Anerkennung
unseres Zustandes, den wir Leben nennen -
ein kaum zu beeinflussender Augenblick
im Dasein jedes lebendigen Wesens.

Apologie des Sokrates.
Er hatte es ausgesprochen, vor aller Augen,
ein Medium zu sein des Gottes Apollon,
dazu berufen, mit menschlichen Fragen den Sinn
des Lebens zu erfahren auf eine einfache Art:
So wie man einer Schwangeren hilft, daß sie die
Wehen übersteht und Leben gebärt.
Spätere sagten,
er bedaß die Gewissheit des Herzens.
Die Frage ist, von wem erhielt er diesen Anstoß?
Und auch der unbedingte Wille,
kein anderer zu sein
als Sokrates, lag nicht in seiner Macht.
Und warum ließen ihn die Götter fallen?

 
   

Die Verzweiflung  (Auszug)

Das
Klingelgeräusch an der Tür brachte ihn in Verlegenheit. Er innerte sich schwach an eine Verabredung, die er am vorausgegangenen Tag eingeleitet hatte. Er gab durch ein Signal die Tür frei, nachdem er sich von seinem Gast ein Bild gemacht hatte, das in Übergröße auf einem Monitor erschien.
„Ich heiße Kiria“, sagte das Mädchen.
„Ich weiß!“ gab er zur Antwort. Er sah sie streng an. „Du hast dich frisch gemacht?“
„Ja.“ kam es leise aus ihrem Mund, einem schönen Mund, mit kräftig rot geschminkten Lippen.
„Du frühstückst heute mit mir.“ Sie nickte dazu. „Man hat dir gesagt, wie das abläuft?“
„Ja, man hat es mir gesagt.“
„Du kannst dich umziehen und dich frei bewegen. Tu so, als wärst du hier zuhause. Zieh den Bademantel über, solange das Frühstück noch nicht serviert wurde.“ Er zeigte zu einer Tür. „Dort ist dein Bad.“

Kiria kam aus dem Bad. Sie trug einen federleichten Bademantel. Branco Kastrato sah sie auf sich zukommen, dabei öffnete sie den Mantel und ließ ihn rückwärts auf den Boden fallen.
Er liebte die Farbe Rot. Ihr BH war rot, ihr Höschen war rot, ihr Strumpfhalter und ihre unglaublich hohen Stilettos waren rot. Sie war groß, und das zeigte sie auch an ihren Bewegungen. Er gab ihr ein Zeichen, sie drehte sich um ihre Achse. Sein Gesicht blieb ernst, doch er schien mit ihr zufrieden zu sein.

Eine romantische Action-Komödie (Auszug)

In der nächsten Szene, der Film/Theater hat ja gerade erst begonnen, sitzen unsere Protagonisten vor einem Café in New York – und wie es der Zufall will, erscheinen in diesem Augenblick die schwarz verglasten Geländewagen, ohne ein Stäubchen Schmutz auf dem schwarzen Lack, als kämen sie gerade aus der Waschanlage.
Einer der bösen Männer in den Wagen entdeckt unser Paar. Aus mit der Ruhe beim Kaffee! Sieben zu allem bereite Gangster stürzen sich auf das verliebte Paar – es kommt zu einer grandiosen Verfolgungsjagd. Auf diese Weise lernt der Zuschauer die dunklen Winkel New Yorks kennen. Und über welche Waffen beide Seiten verfügen!
Von den sieben Gangstern leben am Ende nur noch zwei; die beiden letzten verlassen entnervt den Schauplatz eines ungleichen Kampfes.

Es ist Krieg – und niemand weiß warum (Auszug)

Eine
Weile sieht der alte HERR dem grausamen Treiben zu. Es erzürnt ihn, daß die Granaten in die Wohnhäuser der Menschen einschlagen, ja, sogar in Krankenhäuser, und dort unermeßliches Leid anrichten. Die Menschen, Zivilisten, die außerhalb des Krieges stehen, sind verzweifelt. Kinder und Mütter weinen. Das reicht dem alten HERRN!
Schon längst haben seine göttlichen Zellen Pläne geschmiedet, wie man dem sinnlosen Treiben auf eine unübliche Art den Garaus machen kann. Gott lächelt, ja, er lacht, er weiß ja schon, wie das Ganze enden wird. Er sieht weiter als alle andern. Und er übersieht nichts.
Die Welt ist programmiert in seinem Kopf, das ist ein ungeheures Zentrum, das ohne Drähte, Chips und Schaltstellen auskommt. Es basiert auf der Vernunft des Universums. Und diese Vernunft erlaubt keine Zufälle, die die Symmetrie der Schöpfung stören können. Auch wenn solche Wesen wie die Menschen dies von Anbeginn an versuchten, gelungen ist es ihnen noch nie; sie bleiben schwach, auf ihre Art konzentriert. Und das betrübt den alten HERRN, zu wissen, daß sich ein großer Teil der Menschen nicht ändern will – zum Guten hin, bereit zum friedlichen Zusammenleben.
Er haßt es, ordnend eingreifen zu müssen. Doch er ist Gott, und als solcher verantwortlich für das Wohlergehen aller Menschen. Er weiß, daß die Menschen so denken, und manchmal glaubt er selber daran.

New York. Eine InvestorenKonferenz (Auszug)

Betterman war viel in der Welt herumgekommen; er hatte unzählige Gespräche mit Regierungschefs und Notenbankern geführt. Diese Erfahrungen hatten ihn schon ein wenig weise gemacht, was verständlich war bei einem Privatvermögen von mehreren Milliarden Dollar.
„Fast jeder Spitzenpolitiker“, fuhr er fort, „den ich dieserhalb ansprach, gab zu verstehen, daß Arbeitsplätze zu schaffen, Priorität vor allen anderen Aufgaben besaß. Bei meinen Besuchen in den wirtschaftlich so unterschiedlichen Ländern gewann ich den Eindruck, daß die sozialen Unruhen schon begonnen haben...“

„Das ist mein „Schwarzer Schwan“, sagte er mit bangem Augenaufschlag. „Eines Tages, noch vor dem Frühstück, wenn ich aus dem Fenster sehe, werde ich die ersten unaufhaltsamen sozialen Unruhen entdecken.“
Die anderen bunten Vögel bedauerten ihn und klatschten Beifall, der mehr seinem Mut galt, Dinge auszusprechen, die in diesem Vogelparadies an und für sich tabu waren.
Der Zaunkönig, ein Oberbanker aus dem europäischen Raum, schloß sich seinen Gedanken an. „Wir beunruhigen diese Menschen aus den ärmeren Schichten durch unser Verhalten. Wenn ich sehe, daß schon wieder ein fragwürdiges Finanzprodukt fast überall gehandelt wird, sollten wir uns nicht wundern, schon bald eine zweite große Finanzkrise zu erleben. Und, liebe Freunde, jeder von uns kennt die Gründe dafür, warum diese börsengehandelten Fondsanteile so interessant sind..., weil sie hohe Renditen versprechen. Es geht also immer nur um den Gewinn. Und je höher er ist, desto wagemutiger gehen wir damit ins Geschäft. Das ist und bleibt unser Schicksal!“

Titel der satirischen Geschichten

Die Verzweiflung
Eine romantische Action-Komödie
Es werden immer mehr
Verhängnisvolle Informationen
Es ist Krieg – und niemand weiß warum
New York. Eine InvestorenKonferenz
 

 
Bitte keine Solidarität - Band 18
Aphorismen und Prosa
Erstauflage Februar 2015. Die ersten sieben Ausgaben bleiben beim Team.
Reihe Cimarron bibliophil. Im Prägestempel vom Autor numeriert und signiert.
Test/handschriftl. Vermerke Gregori Latsch, Cimarron-Team
Gestaltung/Satz/Laserdruck Doris Hess, Cimarron-Team
Grafiken im Druck Ralf Biskup, Cimarron-Team
Buchblock A5-Format, von Hand gebunden
Umfang ca. 190 Seiten
Papier Vorsatz Bütten. Innen Büttenqualitäten, vornehmlich von Zanders und Hahnemühle, u.a. Fein- und Transparentpapiere.
Bildmaterial 10-16 Reproduktionen von Fotos und/oder Grafiken/Mischtechniken.
Covergestaltung Foto/Grafik/Mischtechnik oder Titelschildchen (z.B. bei englischer Broschur)
Besonderheit a) Sachwortregister/Personenregister
b) Prolog: Otfried Höffe, Philosophie-Professor (Cimarron-Autor)
c) Sechs satirische Geschichten, von denen die vierte bei Gesetzeshütern durchaus auf Unverständnis stoßen, und die sechste den verständnisvollen Unmut einiger Zeitgenossen hervorrufen kann. Immerhin zeigt die fünfte Geschichte eine göttliche Perspektive auf einen nicht stattgefundenen Krieg.
Preis Englische Broschur 200,00 €
Leinenausgabe 260,00 €
Ganzlederausgabe 320,00 €
(incl. Mwst. und freie Zusendung innerhalb Deutschlands).
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