Cimarron bibliophil

LENA und das Paradies

Poetische Texte - 250 Seiten
Doppelband: Lena... und das Paradies/Was das wohl sein mag, was die Dichter sagen

Manhattan transfer

Was soll das für ein Engel sein...
auf dem Gesims des Hauses,
der seine Beine baumeln läßt,
und nichts als einen weißen Flitter trägt,
mit einem Haarschopf,
der nach hinten auf die Flügel fällt,
und träumend in die Tiefe sieht,
umgeben ist von Straßenschluchten
und brodelndem Verkehr,
wie ihn nur eine Metropole kennt –
Manhattan transfer.
Ist er allein?
Und wem gehört sein Trost?

Die schönen Beine schweben, wie ein Vogel fliegt.
Er kennt das Ziel, man sieht ihn kaum.
Er fliegt, als wäre er ein helles Licht,
das irgendwo die Dunkelheit durchbricht.
Er täuscht das Auge, fliegt durch jede Finsternis.
Es ist, als würde er mit einem fernen Blick
die Zeit verändern,
der wir immer noch vertraun.
Ich weiß nicht, ob ich auf ihn warten soll.
Noch einmal will ich nicht in seine Augen schaun.

Flamingo

In der Mitte des Tages, der Atem des Kosmos
verbreitet sich wie Nebel über das Land,
überall Zeichen stürmischen Lebens.

Aufgerissene Wolkenbänke mit blauen Fenstern
und grauen, dunkel-zerrissenen Bildern, deren
gespenstische Zeichen sich ständig verändern,
grollender Donner am Horizont des Meeres,
gewaltige Blitze über dem Wasser.

Lichtstrahlen von blendender Helligkeit
durchstoßen die Wolken wie Pfeile.

An einem Punkt seltsame Stille..., berührt
nur vom Flattern einer weiß-roten Feder, die
langsam nach unten gleitet, im Atem des Kosmos
sich wiegt, tänzelnd fliegt, als wäre der Wind
ihr Begleiter.

Von der Sonne in blitzende Farben getaucht -
eine weiß-rote Feder.

Immer noch gleitend, sich drehend, als
würde sie tanzen, fällt sie, ein letztes Mal
geführt von ihrem Partner, und legt sich sinkend
auf die Erde, erzählt uns von dem Schmerz des Fluges,
auf dem sie träumte, zu schweben wie ein Vogel, und war
doch nur ein winziger Teil des Ganzen.

 

Hommage an Sidney P.

Erinnern wir uns: Yakuza. Bevor Takakura Ken
den Kampf begann, als Samurai, das Haiku vom
Fluß auf den Lippen: Wasser verändert sich
ständig, aber der Fluß…, und Robert Mitchum.
Ein schrecklicher Totentanz. Schwer zu verstehen,
wer ihn gewann.

Erinnern wir uns: Jeremiah Johnson. Am Ende
der Kämpfe in einer wilden Natur; von Kälte
erstarrt begegnen sich beide Reiter. Redford wartet
gespannt, was daraus wird. Der Indianer hebt die Hand –
und Johnson ist befreit von einer schweren Last.
Er darf im Überlebenskampf den Trapper spielen.

Zwei Movies aus einem bunten Strauß von großen
Film/Theateren – aus Sidney Pollacks Hand.
Ich weiß nicht, wer er war. Ich kenne seine Film/Theatere.
Die Zeit steht still. Was alles noch zu sagen wäre
über diesen Mann! Er starb im Mai 2008.

 

Schöne Belanglosigkeit

Schöne Belanglosigkeit, wie harmlos
du daherkommst,
wie raffiniert und bescheiden.
Du treibst es mit großen Namen.
Worin liegt der Zauber deiner Verführung?

Es scheint mir, als läge eine tiefe Bedeutung
in deinem Wesen. Warum gehst du auf Stelzen
und kleidest dich mit brokatenen Gewändern?

Deine Gönner haben ein Auge auf dich geworfen.
Sie verfolgen dich. Sie quälen dich.
Manche erheben dich zur absoluten Göttin ihrer Gefühle.

Schöne Belanglosigkeit,
ich lese dich in preisgekrönten Sätzen,
in Prosa und in Poesie.

Am liebsten untertreibst du, als wüßtest du es besser.
Die belanglose Stille in deinen Gedanken
hat eine sonderbare Tiefe.
Niemand erkennt den Grund.
Ist es Größe, Belanglosigkeit?

 

Es ist ein Suchen und ein Fragen

Es ist ein Suchen und ein Fragen.
Und in den langen Lebenstagen ein
Trost: Das Schreiben.
Und wie die Worte sich verstehn,
und wie sie tanzen, flüstern, schreien,
sinnlos untergehn.
Und wie die Welt, ganz unberührt davon,
ihr altes Leben weiterlebt,
das ist nicht neu.

Und alles steckt in den Gedanken,
es läßt die Lebensgrenzen hinter sich
und überwindet alle Zeiten.
Und manchmal läßt es uns im Innern
wanken, so lange, bis die Freude uns erlöst
von diesem grauen und verzerrten Bild.

Was leuchtet da, wer gibt uns dieses Licht?
Es sieht durch uns hindurch, wir atmen es,
und kennen’s nicht.

 

Mein elsässisch-deutsch-französischer Freund

Mon Dieu, mit welcher Leichtigkeit mein alter
Freund der Frauen Gunst gewonnen hat!
Was für ein schöner Redeschwall aus seinem
Munde kam, der warten konnte, bis es so weit
war, daß vor ihm, reich gedeckt, der Tisch der
Liebe lag; auch wenn die Emotionen sich schnell
woanders hin verzogen, was aller Anfang seiner
Wünsche war. Es war sein Charme, der ihn das
Liebesspiel gewinnen ließ - und die Verführten
glücklich stimmte. Zu einer Zeit, als wir im Winter
der Gefühle lebten - im Jahre 63. -
Pierre lebt nicht mehr.

Zurück bleibt unsere alte Frage, lieber Freund,
wer wen erobert hat und wessen Herz in Liebe
sich einem andern unterwarf.


Reisegefährte

Warum nicht über einen schönen Wagen etwas sagen!
Ob es ein Audi ist, ein Porsche oder Jaguar, ein
Bentley, Lamborghini, Mercedes oder BMW.
Sie alle sind ein Augenschmaus und können
uns in ungeahnte Höhen tragen.

Und was tut der Poet auf seinen langen Reisen,
die ihn von Traum zu Traum, und manchmal
auch in andere Länder führen, wo es doch soviel
angenehmer ist, in weichen Polstern sich zu rekeln,
der Zeit, im Rausch des samt‘nen Rasens, ein
Schnippchen zu schlagen; und sich auch noch verstehen
können, wenn draußen Chronos an die Scheiben klopft
und böse reagiert, daß man ihn überholt, als
wäre er ein alter Mann, der nicht mehr weiß, wie
schön man seiner Zeit entfliehen kann.

Was bleibt uns noch vom Traum der schnellen Fahrt?
Der Spaß und auch die Lust, dabei zu sein, wenn wir,
im lockeren Gefühl, und eingetaucht in Eleganz und
Sportlichkeit, berührt von der Ästhetik einer wunderbaren
Form, das Reisen suchen, ohne anzukommen.
Warum nicht über einen schönen Wagen etwas sagen!


Unser Ziel

Gib mir deine Zeit,
laß uns das Leben einfrieren,
folge mir in den Keller der Kälte,
wo Tropfen der Ewigkeit von der
Decke fallen,
zu einem gewaltigen Sturzbach
sich sammeln,
unser kurzes Dasein überfluten.

Gib mir deine Hoffnung,
und wir werden zusammen
den Himmel einreißen,
dort, wo das schönste Blau
aus allen Wolken fällt.
Dahinter werden wir uns verstecken.
Du wirst sehen, es gibt keine
Menschlichkeit.

Gib mir deine Gedanken,
und zusammen werden wir fahren
auf allen Meeren der Welt.
Vorbei an der Zeit, die Hoffnung
hinter uns lassend,
durchbrechen wir das störrische
Wasser der Vernunft.
Solange wir segeln, leben wir.
Unser Ziel liegt weit hinter uns.
Warum fürchtest du dich vor einer Flaute?


Samstags früh mit Homer

Odysseus erschien als erster,
ihm folgte Patroklos und sein Troß.
Daß der humpelnde Georg seinen Hund
vorausschickte, mißfiel Agamemnon.

Eine Lesestunde war angesagt,
samstags früh mit Homer.
Das geschieht nicht alle Tage
an der Hauptwache in Frankfurt am Main.

Gönnen wir den Göttern ihr Fest.
Sie haben wenig zu lachen in unserer Zeit.
Zuletzt hing einer sich ein Pappschild
um den Hals: Betteln ist besser als stehlen.

Homer begann zu lesen.


Ein Akt poetischer Vernunft

Daß es so schwierig ist, wie uns Velleius sagt,
sich auf dem Gipfel der Vollkommenheit
lange zu halten, so daß man sich auch nicht
mehr fortentwickeln kann, und selber schwächt,
bedeutet für den Mann des Wortes, sich weiter
zu vertrauen, denn wer Vollkommenheit erreichen
will, verläßt die Ebene poetischer Vernunft, und
nur mit ihr erfüllt sich, was wir Geschlossenheit
der Form, Stärke des Ausdrucks im sinnvoll
dargestellten Thema nennen; doch eigentlich erübrigt
sich ein solcher Rückgriff, denn unsere erste
Ebene ist das andere Ich, das uns beschenkt mit
eigenen Ideen, die nicht nach ethischer Erfüllung
sehen - und immer unabhängig sind.
.

LENA... und das Paradies - Band 4

Erstauflage

Die ersten sieben numerierten Ausgaben bleiben beim Team.

Reihe

Cimarron bibliophil, im Prägestempel vom Autor numeriert und signiert.

Buchumfang

250 Seiten

Text/handschriftl. Vermerke/Foto

Gregori Latsch, Cimarron-Team. Das Porträtfoto des Autors liegt in einer Transparenttasche, datiert und signiert.

Gestaltung/Satz/Laserdruck

Doris Hess, Cimarron-Team

Grafiken im Druck bzw. im Original auf dem Cover

Ralf Biskup, Cimarron-Team

Buchblock

A5-Format, von Hand gebunden.

Papier

Vorsatz Bütten. Innen verschiedene Büttenqualitäten, Fein- u. Transparentpapiere. Schmuckpapier (Zander, Hahnemühle etc.) von Fall zu Fall.

Besonderheit

a) Dieser Doppelband gehört neben den Büchern Nr. 2 u. 8 aus dieser Reihe zu der TRILOGIE des Herzens, der Liebe und der Vernunft.
b) Der Autor hat aus seinen zehn Bänden mit poetischen Texten eine endgültige Auswahl getroffen, die repräsentativ für dieses Genre sein soll. Dazu gehört der Band 14 dieser Reihe: Streifzug durch die Zeit, der die Balladen und Sonette des Autors enthält.
c) Um mit den wegweisenden Texten der poetischen Trilogie alle Literaturinteressierten zu erreichen, bemüht sich das Cimarron-Team, im Kontakt mit etablierten Verlagen, um eine Herausgabe der Trilogie für den Buchhandel. Siehe hierzu auch unsere Ausführungen in der Rubrik Preis für die bibliophilen Ausgaben!
d) Im Anhang gibt das Team bzw. der Autor in den Anmerkungen Auskunft über Zitate und den Entstehungsprozeß einiger Texte.
e) Jeder Band enthält neben dem normalen ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis aller Titel.

Preis

Leinenausgabe 260,00 € - Lederausgabe 320,00 €
(incl. Mwst. u. freie Zusendung innerhalb Deutschlands).

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