Cimarron bibliophil

Cimarron bibliophil - Band 25
Die Frau im blauen Kleid
Streifzug durch den Garten der Liebe,
der Blumen und der Zeit.

Poetische Texte
ca. 150 Seiten



 
 

Das Mädchen aus dem Wald

Da lag ein dunkles Wesen, schlangenförmig,
auf dem Weg – und schien schon ganz Natur zu
sein, aus Wasser, Erde, Sand und Lehm.
Es gab kein Oben und kein Unten.
Wie konnte das geschehn!

Ich kniete mich vor diesem seltsamen Gebilde ab,
der Wald war still, flatternde Nebelschwaden deckten
alles zu.

Und ich war dort allein mit mir und wußte nicht,
was vor mir lag. Das dunkle Wesen blieb bewegungslos,
kein Atem drang zu mir.

Ich wollte aufstehn, einfach weitergehn. Vielleicht
lag doch ein Irrtum vor... Da irrte ich!
Ich hörte leises Plätschern, Wassertropfen, die von
einem Körper fielen, und Erde löste sich von
einem menschlichen Gesicht, das bis zum Hals
befreit war von dem Schlamm – ein junges Mädchen
sah mich an, ein Torso, lächelnd, mit einem
grob verzerrten Mienenspiel. Ihr Schweigen war
unendlich lang, so schien es mir.

Auszug

   

Auf unserer Lebensbahn

Getragen von glänzenden Flügeln,
wie leicht das Schweben ist,
such ich nach einem ruhigen Ort,
und überfliege Straßen, Plätze, Nachtquartiere,
bin unsichtbar für jeden fremden Blick,
und höre die Gedanken unserer Zeit,
im Wirbelwind aus Zweifel, Neid und Übermut, und Liebe,
und die Gespräche aus geheimen Kammern,
wo man sich über dunkle Machenschaften unterhält.
Wie schnell ein solches Fliegen uns ermüden kann.

Der Flug begann so früh, und ich war so allein.
Ich weiß nicht, wann das Fliegen enden will.
So viele Gesten und auch Worte dringen auf mich ein.
Die Stadt ist lange schon in ihrem Bild allein.
Auf einem Hügel zeigt sich das ersehnte Ziel.

Ich schüttle meine weißen Flügel ab,
und halte in der Hand ein Buch.
Was es mir sagt, verrät es nicht.
Die Traumwelt der Gedanken spricht es an -
und was uns widerfahren kann auf unserer Lebensbahn:
Aus Zweifel, Liebe, Neid und Übermut.

   

Die Frau im blauen Kleid

Die Schöne stand auf der Terrasse des
Chalets und sah aufs Meer. Ihr Haus lag
oberhalb der Bucht, doch unerreichbar
für den Blick der Straße; und ich sah
von der anderen Seite, einem rauhen Land,
der Schönen zu, und war verschwitzt,
nach einem langen Weg, begleitet nur
von wilden Ziegen, und einem endlos
weiten Blick aufs Meer.

Ich hätte rufen können, und war
begeistert von dem blonden Haar, das eine
wilde Brise aus dem Mittelmeer, es war
September, zärtlich in Bewegung hielt.
Die Schöne sah noch immer auf das Meer.
Ich blickte auf den Berg, und war verwirrt,
nur nackte Felsen sahn mich an. Wie schön
es wär, vor einem prachtvollen Chalet im
frischen Wind zu stehn – und auf das Meer zu sehn.

Auszug

   

Der Horizont, das Licht, die Zeit

Am Morgen sah ich das Meer.
Weit eingebettet in ein wunderbares Blau,
begrenzt vom Horizont des Lichts.
Der frühe Wind umstrich mein Schiff,
ich segelte und war allein.

Sind die Gedanken wie ein Segeltuch,
das uns voranbringt? Wer führt das Ruder,
unsere Hand?

So einsam wie auf diesem Meer war ich noch nie.

Von einer alten Sehnsucht abgetrieben,
verlor ich mich im weiten Rund der Zeit.
Ich rief nach ihr, doch niemand hörte mich.
Sie war so unergründlich wie das Meer,
und schaukelnd trugen ihre Wellen mich
zu jedem Ziel, das Ruder lag in ihrer Hand.

Nach meiner Rückkehr am Abend versank der Horizont,
das Licht, die Zeit; wie ähnlich sich die beiden sind.

   

Geliebt, gelacht, die Seele aufgetankt

Wir haben dich erobert, Augenblick der Lust,
und unsere Sinne tief darin versenkt.
Wir warten auf das Fest!

Der graue Alltag liegt weit hinter uns,
wir haben ihn noch nie vermißt. Wir sind
wie losgelöst von einem schweren Druck;
befreit von einer viel zu großen Last.
Was ist das nur für eine krumme Tour!
Hier die Bedrängnis, dort die freie Zeit,
in der wir unsere Wünsche froh hinausposaunen
können – und danach kaum erkennen, wer
wir wirklich sind.

Die lange Nacht durchwacht, vom Schlaf
so weit entfernt, geliebt, gelacht, die Seele
aufgetankt mit frischem Lebenselexier.
Gestärkt im Innern, sind wir viel zu spät
erwacht, und haben keine Träne nachgeweint
der alten Lebenslast.

Wir haben dich erobert, Augenblick der Lust,
und unsere Sinne tief darin versenkt.
Was war das für ein Fest!

   

In ihrem Garten auf dem Land

Im Engelmonat fuhr ich zu ihr hin.
Der Sommer lag ermattet in den Feldern.
Ein leichter Nebel kroch durch dunkle Wälder.
Und erster Rauhreif deckte schon die Wiesen zu.

Ich war gespannt auf diesen Herbst mit seinen
Erntefreuden - und auf das Wiedersehn mit ihr.

Im Staudenbeet, wo Dahlien, Gladiolen, in
zauberhaft gebrochenem Rot und violettem Ton,
dem später Sommer eine letzte Krönung brachten,
traf ich auf sie; in ihrem Arm ein Bündel Gladiolen,
mit wunderschönen Blütenähren, so wie ihr Lächeln,
das den Blumen ähnlich war.

Und wie es immer war an solchen Tagen, verloren
wir uns gern im Blumenmeer des Gartens -
und seinen Blütenklängen, die aus den Formen
und den Farben kamen.

Im Engelmonat, an den schönsten Erntetagen,
in einer Zeit des Glücks, wo wir in Liebe
zueinander fanden.

   

Herzkammer der Literatur

Sich begreifen können als ein Suchender,
der nicht weiß, welche Wege vor ihm
liegen, die ihn kreuz und quer durch Zeiten
führen, deren Ablauf längst besiegelt ist;
bis er jenes Pochen hört, eines Herzens,
das die Worte trägt, sie für uns lebendig
hält, und wir, ohne Angst, daß dies Schlagen
unerwartet abbricht, während wir zur Feder
greifen, dieses Pochen in ein Lied verwandeln,
in Geschichten, die uns lange noch begleiten –
aus der Mitte unseres Lebens sind, und
auch Trost in uns verbreiten – wessen Herz
wird nicht darüber glücklich sein!

 

   

Vergiß mein nicht
Erinnerung
an Wilhelm Müllers schöne Müllerin


Es legt sich mir ein Schauer auf die Haut,
ein Tränenregen sucht mich heim.
Der ganze Himmel will in mir versunken sein,
und nimmer laß ich mich hinunter in die
Tiefe ziehn; kein Singen und kein Klagen
weckt mich auf. Ich habe mich verirrt
in einem finsteren Wald, kein Mondlicht
zeigt den Weg - ich bin in der Vergangenheit.

Zurückgekehrt erkenn ich kaum noch meine Zeit.
Es gibt noch immer einen Morgenstern, und auch
die Lerche wirbelt in der Luft: Aus tiefem Herzen
sehn ich mich nach dir, vergiß mein nicht!
Und schläfst du auch in süßer Ruh’, in Gottes
hellem Morgen, der Liebe Leid und Sorgen wird
vorübergehn. Mein Lied ist nur ein Nachklang aus
vergangener Zeit - die neue Liebe hält sich still verborgen.

   

Im Schatten des Olivenbaums

Wenn lange schon der letzte Tag
vorüber ist, das Sommerlicht im
Schatten des Olivenbaums, der
uns verschwiegen hat, aus welcher
Zeit er stammt, tief eingekerbt ist in
dem alten Holz, die Winde nur ein
feines Rauschen sind, und das Palaver
unter Menschen immer noch kein Ende nimmt,
weiß ich, daß es dich gibt, und daß auf
unserer früheren Spur, die Leben hieß,
ein anderer geht, vertraut mit dir und mir.
Wir waren nie allein, und selbst am letzten Tag
wird es wie früher sein. So leicht vergißt
man nicht; so leicht vergißt du nicht,
was einst geschah – in einer wundersamen Zeit,
von der ich dir nicht sagen kann, ob sie
ein Traum war oder Wirklichkeit.

   

Die Frau im blauen Kleid
Poetische Texte

Erstauflage Sommer 2018 in der Reihe Cimarron bibliophil.
Die ersten drei (numerierten) Ausgaben bleiben beim Team
Buchumfang 150 Seiten
Text/handschriftliche Vermerke/Foto Gregori Latsch, Cimarron-Team
Grafiken (Cover und im Druck) Ralf Biskup, Cimarron-Team
Gestaltung/Satz/Laserdruck Doris Hess, Cimarron-Team
Druckpapier Bütten- und Feinpapier
Vorsatz Schweres Bütten
Buchblock A5-Format, gebunden, mit Titelbild (Original oder im Druck)
Was noch zu sagen ist a) Im vorliegenden Fall handelt es sich um eine vom Autor zusammengestellte Auswahl, wobei überwiegend die im letzten halben Jahr entstandenen Texte berücksichtigt wurden, die voraussichtlich zu den letzten poetischen Texten zählen, die der Autor im Jahr 2019/20 unter dem (Arbeits-)Titel Späte Visionen herausbringen will.
b) Die Themenvielfalt ist überwältigend, das poetische Niveau entzückt die Sinne. Dieser Titel ist ein Präsent für's Leben, das das Gefühl eines dauerhaften Glücks auslösen kann.
Preise In englischer Broschur (ohne Coverbild) oder in einer Leinenausgabe 150,00 Euro, in Ganzleder 200,00 Euro
(incl. Mwst und freie Zusendung innerhalb Deutschlands).
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